Samstag, 19. Januar 2008
Bye, bye love ... Die Liebesgrüße ziehen um
Über ein Jahr hat mich dieser Blog begleitet. Hier habe ich die ersten Schritte im Blogbereich des Internet gemacht. Viel habe ich gelernt, u.a. daß ein Blog auch Zeit erfordert und Disziplin. Und an der hat es manchmal gemangelt, um nicht zu sagen, oft gemangelt.

Werner on Tour

Jetzt heißt es bald Abschied nehmen. Noch werden hier Artikel erscheinen. Aber irgendwann wird hier Schluß sein. Ich werde den Blog auf ein neues Content Management System umstellen das mir ... und auch Euch ... mehr Möglichkeiten bietet. WORDPRESS heißt das Zaubersystem und hier könnte Ihr schon die ersten Einträge sehen:

http://fromrussia.wordpress.com/

Ich hoffe meine kleine Leserschar bleibt mir erhalten.

Also bis dann, entweder hier oder auf dem neuen Blog. Ach ja, und den Blog wird es irgendwann auch auf Englisch geben für meine Freunde aus der englischsprachigen Welt.

Bye, Bye bis dann

Werner

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Donnerstag, 17. Januar 2008
Murksdeutsch ... vom Entsorgungspark zum Intensivtäter
Oh Gott, ab und zu ist es nicht gerade besonders erheiternd die Deutsche Welle im Fernsehen zu sehen. Da war doch unlängst ein Bericht über jugendliche Gewalttäter in Deutschland. Unter dem Signum des Wahlkampfes in Hessen fühlt sich Roland Koch berufen "Law and order" zu propagieren. Ok, soll er, er ist ja auch durch das grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheitsrecht geschützt, so wie ich auch. Jugendliche Gewalttäter sollten früher zur Verantwortung gezogen werden, so seine Meinung, wenn ich das recht verstanden habe. Darüber kann man streiten. Aus meiner juristischen Ausbildungszeit vermeine ich mich noch schwach erinnern zu können daß staatliche Verwahranstalten der denkbar schlechteste Ort sind um nachhaltige Erziehungserfolge zu zeitigen.

Und eben in diesem Zusammenhang fiel dann auch das Wort "Intensivtäter". Und da habe ich mich dann gefragt was wohl ein Intensivtäter sein könnte. Bisher konnte ich keine nachhaltige Antwort finden. Ist der ein Intensivtäter der "intensiv" auf das Opfer einwirkt? Also z.B. die Jugendlichen die unlängst in München einen Rentner nur deshalb krankenhausreif geschlagen haben weil der sich das Rauchen in der U-Bahn verbat? Daß diese Jugendlich wohl nichtdeutscher Staatsangehörigkeit waren sei nur am Rande vermerkt.

Oder ist der ein Intensivtäter dessen Handeln besonders intensive Folgen für die Gesellschaft aller hat? Dann wären vielleicht auch die Täter als Intensivtäter zu betrachten, die mittels Geld das Rad der Wirtschaft schmierten. Da würde mir dann SIEMENS und VW einfallen. Intensivtäter Peter Hartz?

Nachdem wir schon vor Jahren durch den "Entsorgungspark" - sprich über eine Atommüllhalde - wandern konnten und dabei sich auch der Blick auf den einen oder anderen "Problembären" eröffnete, sind wir jetzt beim "Intensivtäter" gelandet. Die deutsche Sprache mausert sich mehr und mehr vom Kommunikationsmittel, also dem Mittel um zu kommunizieren, zum Verschleierungsinstrument. Speiübel könnte einem da werden.

Wer sich über fehlende Demokratie in anderen Ländern aufregt, so z.B. über die Wahlen in Rußland, der sollte erst mal vor der eigenen Haustür kehren und eine Sprache nutzen die das was da ist auch genau benennt. Dazu gehören weder "Problembären" noch "Entsorgungsparks" und schon garnicht "Intensivtäter". Gesetzesbrecher sind Gesetzesbrecher, Atommüllhalden werden auch als "Park" nicht schöner. "Kernkraft" wird nicht aus Kirschkernen gewonnen sondern aus Uran, Plutonium und anderen Substanzen die gemeinhin als "Atom" bekannt sind. Und den "Problembären" schicken wir wohl besser dahin wo er hergekommen ist, zum Problembärvater Edmund Stoiber, der jetzt eine Unterkunft in Brüssel gefunden hat, damit er nicht zu Tagessätzen des "Intensivtäters" Peter Hartz sein Dasein fristen muß.

Und das noch ganz zum Schluß: Wer sich als nichtdeutscher Staatsangehöriger nachhaltig gegen die Gesetze seines Gastlandes vergeht, der sollte damit rechnen müssen das Land verlassen zu müssen. Das sagt einer, der ebenfalls als "Ausländer" in einem Gastland aufenthältlich ist.

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Sonntag, 13. Januar 2008
Weihnachten, Neujahr ... und weil es so schön war gleich noch einmal
Der Westen hat die Feiertage erfolgreich hinter sich gebracht. Weihnachten hat man hinter sich gebracht, wie üblich viel zu viel gegessen, den Familienbesuch absolviert und sich geschworen im neuen Jahr alles ganz anders mach zu wollen. Wir werden sehen was am Ende von 2008 in Oste und West von diesen Schwüren geblieben ist. Auch den Silvesterabend hat der Westen hinter sich gebracht und wenn man berufenem Munde Glauben schenken darf, dann die Silvesterfeier mancherorts nur deshalb nicht stattgefunden, weil man schon um 22.00 ins Bett gegangen ist, tja, so ist der Westen eben, zu nichts mehr zu gebrauchen.
Ganz anders dagegen der Osten, wenn gefeiert wird, dann wird gefeiert, komme was da wolle, auch eine mehr als 1.000 Kilometer lange Familienheimfahrt schreckt da nicht. Also auf ins Getümmel.

Stau in Kiew, jeder fährt wie er kann

Der Hinweg Kiew - Tver von rund 1.300 Km am 29. Dezember wurde durch eine Übernachtung in Bryansk, ca. 500 Km von Kiew entfernt, unterbrochen. Im Hotel "Cruise", was man mit Kreuzfahrt übersetzen kann, wurde die Fahrt, die bei winterlichen Bedingungen mit Sommerreifen unternommen wurde, unterbrochen. Die Pause tut gut nach einer größtenteils im Dunkeln von statten gehenden Fahrt. Auf dem Moskauer Autobahnring haben wir das Spiel "Aufgepaßt und mitgemacht", das andere auch als "russisches Roulette" bezeichnen, erfolgreich hinter uns gebracht. Völlig genervt vom Kamikaze auf dem 6-spurigen Highway machen wir Zwischenstation am Stadtrand von Moskau und gehen in die IKEA Cafeteria.
Den Rest der Fahrt verbringen wir damit so alle 20 Kilometer anzuhalten und die Scheinwerfer von der Dreckkruste zu befreien die die Scheinwerfer überzieht. Ohne diese Putzarien sieht man einfach nichts mehr und das "Fahren nach Instrumenten" setzt ein, ein Vergnügen, das äußerst gefährlich ist weil man so schon schlecht sichtbare Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer fast nicht mehr sehen kann. Also, anhalten und die Scheinwerfer mittels Lappen säubern. Eine Scheinwerferreinigungsanlage, wie sie seinerzeit mein VOLVO 740 hatte, wäre schön, tja, wäre, ist aber nicht. Also heißt es "selbst ist der Mann".
Gegen 22.00 Uhr treffen wir am 30. Dezember an der Wolga ein. Wir sind trotz der Pause immer noch geschlaucht. Das Auto macht endlich ernst mit dem was da als Aufkleber auf der Heckscheibe prangt, "Panzer fürchten keinen Dreck".



Den Jahreswechsel und die folgenden Tage schenken wir uns hier einmal. Sie unterscheiden sich nur unwesentlich von dem was die anderen Jahre schon geboten haben. Den Silvesterabend haben wir überlebt, ein Abend, der in Rußland traditionell von einem verkaterten Neujahrstag gefolgt wird. Die Straßen sind leer, die Geschäfte erstaunlicherweise auch. Nur ein paar Jugendliche schicken vereinzelt noch übrig gebliebenes Feuerwerk in den grauen Himmel über Tver.
In der Nachbarschaft tauscht man Salat "Olivier" gegen Heringssalat und eigentlich hat man, wie üblich, noch genug um eine ganze tatarisch-mongolische Horde für einige Zeit mit seinen Silvestervorräten durchzufüttern.

Die Manty sind fertig, guten Appetit

Nach einigen Tagen sind auch diese Vorräte endlich verbraucht und man schwört sich, wie schon im vergangenen Jahr, zum nächsten Jahreswechsel erheblich weniger zu kochen, braten, backen. Aber auch dieser Schwur wird wohl kaum eingelöst werden, Rußland eben.
Ein paar „lazy days“ folgen. Das Fernsehen sendet einen Film nach dem anderen und draußen ist es kalt, also kein Grund auf die Straße zu gehen. Das Internet bleibt „aus“. Das kann heiter werden bei der Rückkehr nach Kiew. Am 7. Januar feiern wir das „alte“ Weihnachtsfest mit unseren Nachbarn. Die Russen und ihre Nachbarn feiern sowohl Weihnachten als auch das neue Jahr nach dem heute gebräuchlichen gregorianischen Kalender als auch nach dem bis zum Ende der Zarenzeit 1918 gebräuchlichen julianischen Kalender. Damit feiern wir Weihnachten (neu) am 24. Dezember, Weihnachten (alt) am 7. Januar, den Jahreswechsel (neu) am 31. Dezember und das neue Jahr (alt) am 13. Januar, ein richtiger Feiermarathon.

Am 10. Januar ist es soweit. Mit der üblichen Verzögerung geht es an den Start. Geplant war 9.00 morgens, geworden ist es 14.00 Uhr am Nachmittag. Da die Einfuhrerlaubnis für das Auto am 10.1. um 24.00 Uhr endet heißt es sich ein wenig zu sputen. Beim letzten mal haben wir die Frist um 90 Minuten verpaßt weil der Grenzübergang über den wir eigentlich wollten, gesperrt war und wir in der Nacht einen kleinen Grenzübergang suchen mußten. Das Ergebnis war eine „kleine Spende“ an die örtlichen Zollbehörden und eine Belehrung. Ok, das haben wir hinter uns und nach einer Wiederholung steht uns nicht der Sinn. Also aufs Gaspedal treten soweit das möglich ist. Leider ist es nicht möglich, denn kaum winterlich zu nennende Temperaturen sorgen dafür daß Erlebnis von Matsch auf Scheiben und Scheinwerfern wiederholen. Gott sei Dank ist es noch nicht dunkel. Liter um Liter Scheibenwaschmittel wird auf die Scheibe verteilt. Noch können wir sehen wohin es geht aber wenn das so anhält dann kann das eher eine Putzrallye werden. Nach drei Stunden haben wir Moskau erreicht. Wieder geht es auf den Autobahnring der Moskau umgibt, mittlerweile ist es schon dunkel. Trotz dreckiger Beleuchtung halten wir nicht an, alle Fahrzeuge fahren mit „Lichtfiltern“. Wenigstens gibt es keine Fußgänger - hoffentlich. Nach 90 Minuten „Survive or die“ endlich die Ausfahrt zur M3, der Trasse die uns nach Bryansk und anschließend zur Grenze führen soll. Sinnvollerweise habe ich die Anfahrt Kiew - Tver mittels eines GPS Gerätes aufgezeichnet so daß uns der Rückweg wenig Schwierigkeiten machen sollte, selbst die Nebenstraßen habe ich „im Kasten“.

Ein renoviertes Haus in Kiew

Die Investition in mein GPS, das ich mir noch in Karelien zugelegt habe, hat sich im Laufe der Zeit als sehr sinnvoll herausgestellt. Straßenwegweiser sind in Rußland leider noch immer eine Seltenheit. Wenn die Rarität dann auftaucht, dann ist sie oft schwer lesbar. Wer die Wegweiser auf den Transitstrecken aus DDR Zeiten kennt, der weiß wovon ich rede. Also auf geht es in die „Provinz“. Gegen 23.00 Uhr halte ich an einer Tankstelle an, aber nicht um zu tanken, sondern um ein wenig zu verschnaufen. Ich bin auch älter geworden. Früher habe ich Nachtfahrten „mit links“ erledigt und eine Nachtfahrt durch Deutschland schreckt mich auch heute nicht. Aber eine Nachtfahrt durch Rußland ist etwas anderes.
Machen wir es kurz, um 6.30 erreichen wir die russische Grenze. Eigentlich ist es die russisch-weißrussisch-ukrainische Grenze. Hier ist das Grenzregime besonders skurril. Im Drei-Länder-Eck durchfährt man die Grenze eines Staates um anschließend im Niemandsland auf einen Kreisverkehr zu stoßen in dessen Mitte ein Denkmal steht. Dann kann man sich frei aussuchen in welchen Staat man dann weiterfährt. Aber erst einmal müssen wir die russischen Grenzkontrollformalitäten hinter uns bringen. Im Gegensatz zur Herfahrt ist der Grenzübergang fast verwaist. Der erste Grenzposten verweist uns an die Zollkontrolle. Der will nur die Zollerklärung sehen und die Heckklappe sowie die Autotüren bleiben zu. Heute kein Interesse an einer eingehenden Kontrolle, auch gut. Weiter geht es zur Paßkontrolle. Aber auch da, Wunder über Wunder, nur ein Einsammeln der Einreisekarte, Abstempeln des Passes, „Gute Reise und Frohes Neujahr“. Das war es, kaum zu glauben, aber wahr, so einfach kann der Übertritt über die russische Grenze auch sein, danke.
Der ukrainische Grenzposten winkt uns nur durch zur Passkontrolle, kein Ausfüllen einer Einreisekarte, nur die Wohnadresse in Kiew will er wissen, ein Blick auf die Papiere und weiter geht es zum Zoll. Und der winkt nur durch. Wir sind zurück in der Ukraine. Es ist 7.00 russischer Zeit oder 6.00 ukrainischer Zeit. Noch liegen 90 Kilometer vor uns bis zur Stadt Chernigiv - oder auf russisch Chernigov. In der Zwischenzeit hat es wieder angefangen zu schneien. Zwei Stunden später haben wir Chernigiv erreicht. Ich habe keine Lust anzuhalten. Besser weiter fahren, bis Kiew sind es noch 130 Kilometer. Eine Stunde später halten wir an einem Café das nicht nur verspricht 24 Stunden geöffnet zu sein, sondern es tatsächlich auch ist. Das frühstück besteht aus „Butterbrodi“, also belegten Broten. Das Erstaunliche an diesen Butterbrodi ist die Tatsache daß sich auf dem Brot, entgegen der Bezeichnung, keine Butter befindet sondern einfach der Belag. Vier Butterbrodi und drei Tassen Kaffee später bin ich soweit ausgeruht daß an eine Weiterfahrt zu denken ist.
Der Rest ist schnell erzählt. drei Stunden später stehen wir auf dem Parkplatz unseres Hauses. Nur das Nötigste wird ausgepackt, jetzt will ich nur noch eins: Schlafen. Wenn alles so reibungslos wird wie bei dieser Fahrt dann kann das Jahr 2008 ruhig kommen.
In diesem Sinne „Frohes Neues Jahr“ zusammen.

Frohes Neujahr aus der Ukraine

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